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Das Salzpatriziat in Reichenhall – Bau der Kirche St. Aegid |
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Das geschichtliche Potenzial, das in der Kirche St. Aegid steckt, sieht man ihr nicht an. Die ganze mittelalterliche Geschichte Reichenhalls spiegelt sich im Bau der Kirche wieder, die auf Salz basiert. Es ist das Jahr 1159, als sie gebaut wird. 1159 – auf dem Zahlenstrahl der Geschichte sehen wir das Hochmittelalter: Geprägt ist diese Zeit vom Kampf der zwei universalen Mächte Kaisertum und Papsttum um die Vorherrschaft. Diese
Rivalität hat ihre nächstliegende Ursache in der
Erneuerung der Kaiserwürde durch Otto den Großen
(936-973). Er festigte seine Macht durch Einsetzung einer
Reichskirche. Die
enge Verflechtung von Kirche und Staat festigt einerseits die
Stellung der Könige, führt aber in der Folgezeit zu
schweren Konflikten. Der Staat wird mit den Ansprüchen der
Kirche konfrontiert. Im Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst
während des 11. und 12. Jahrhunderts scheitert schließlich
der universale Machtanspruch der deutschen Kaiser. Der Kampf erreichte seinen Höhepunkt, als die staufischen Kaiser nach Sizilien ausgriffen und dadurch den päpstlichen Herrschaftsbereich, den Kirchenstaat umklammerten. Zu dieser Zeit regiert im Reich Friedrich I. Barbarossa (1152-1190). In
Bayern herrscht Heinrich der Löwe aus dem Geschlecht
der Welfen, der auch Herzog von Sachsen ist. Er gerät mit
seiner zielstrebigen Machtpolitik in Rivalität zu Friedrich
I. Barbarossa. In
dem Machtkampf mit dem Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa um
die Vorherrschaft im Reich unterliegt Heinrich der Löwe. Im
Jahr 1180 wurde ihm auf einem Reichstag mit den Stimmen der
Herzöge das bayerische Herzogtum abgesprochen, als er
Friedrich I. Barbarossa die Heeresfolge verweigert. Der Kaiser
benützte die Gelegenheit, Bayern durch die Abtrennung der
Ostmark endgültig zu schwächen. Die Herzogswürde in dem so verkleinerten Bayern verlieh Kaiser Friedrich I. Barbarossa an den in Bayern sehr begüterten Grafen Otto von Wittelsbach, der sich auf verschiedenen Feldzügen als treuer Gefolgsmann des Kaisers erwiesen hatte. - Und dann ist da noch Salzburg, das römische Juvavum. Hall steht um diese Zeit unter grundherrschaftlicher Oberhoheit des Erzbischofs von Salzburg. Zur
Vorgeschichte: An diesen Orten und in Passau lagen die frühesten Sitze der bayerischen Herzöge, bei denen die Missionare bei ihrem Wirken Rückhalt fanden. So ist zu erklären, dass Bonifatius im Jahre 739 die ersten Bischofssitze in Bayern in Regensburg, Salzburg, Freising und Passau errichtete, die fortan die Mittelpunkte der vier Diözesen der bayerischen Kirchenprovinz bildeten. Bayernherzog
Theodo II. erhebt 696 Salzburg zum Mittelpunkt eines neuen Bistums
und setzt den Missionar Rupert als ersten Bischof ein. Theodo
schenkt Rupert die Stadt Juvavum (Salzburg) und die Obere Burg,
dazu drei Meilen Land im Umkreis von Juvavum, die Weiderechte
Gauza und Ladusa in Berchtesgaden und 20 Sudpfannen samt einem
Drittel der Quellschüttung in Reichenhall. Nachzulesen im 790
verfassten Güterverzeichnis „Notitia Arnonis“.
Wichtiger jedoch als die Errichtung von Bischofssitzen waren für die Christianisierung des Landes die Klöster, die seit dem 7. Jahrhundert entstanden. Die Karolinger weisen den Hauptanteil ihres Kulturprogramms den Benediktiner-Klöstern zu. Die Mönche lebten nach der Regel, die der hl. Benedikt (✝ ca. 543), der Begründer des Klosters Monte Cassinoin Italien, aufgestellt hatte. Die Gründungen erfolgten damals in Form von Eigenklöstern. Das bedeutet, dass der König, der Herzog oder eine adelige Sippe Grund und Boden mit den dazugehörigen Untertanen bereitstellte, die für den Unterhalt der Mönchsgemeinschaft zu sorgen hatten. Dafür stand dem Stifter das Besitzrecht am Kloster zu. Er konnte über dessen Einkünfte verfügen und durfte auch den Abt ernennen. Die
meisten und die ansehnlichsten der frühen Benediktinerklöster
in Bayern erhielten ihre Ausstattung, die in ausgedehnten
Ländereien bestand, von der Herzogsfamilie der
Agilolfinger; Stiftungen adeliger Familien des Landes waren Altomünster, Benediktbeuern, Kochel, Tegernsee, St. Pölten, Schäftlarn, Scharnitz-Schlehdorf und Metten. Die Benediktiner richteten in diesen Klöstern Schulen ein und wirkten als Vorbild für das umliegende Land bei der Bodenbestellung. Salzburg
war durch seine enormen Grunderwerbungen, vor allem aber durch das
Reichenhaller Salz, bereits in agilolfingischen Zeit, zu einem
politisch-kulturellen Mittelpunkt herangewachsen. Nach
der Entmachtung der Agilolfinger 788 ließ Karl der Große
genaue Erhebungen über die ehemals herzöglichen Güter
und Einkünfte erstellen. Als
Gunsterweis Karls des Großen erhielt Salzburg 790, gemäß
seiner Güterverzeichnisse, die volle Anerkennung seines
Besitzstandes und avancierte 798 schließlich zum Erzbistum
und Bischof Arno (785-821), treuer Kriegsgefährte,
Königsbote, Berater und Freund des Kaisers, zum
Ezbischof. Wegen der sehr verworren Rechtsverhältnisse waren Streitigkeiten alltäglich. Wie überall im Reich erwächst im 12. Jahrhundert in Hall das Bürgertum. Die
initiative Gruppe sind die Salzsieder, an ihrer Spitze die
Kaufleute und Fernhändler. Sie organisieren und beherrschen
über die regionalen Märkte hinaus den Warenverkehr über
weite Strecken wenig besiedelter Gebiete. Sie schließen sich
zusammen zu Gilden und Bruderschaften. Aus diesen
Zusammenschlüssen entsteht das städtische Patriziat, das
oligarchisch die Politik der Stadt bestimmt und als 3. Stand, nach
Klerus und Adel, dem Bürgertum eigene Rechte und politische
Mitwirkung erkämpft. Durch Urkunden namentlich bekannt ist der Name Laubez, einer der ältesten Bürgerfamilien aus der Zeit. Sie waren wohl Ministeriale (Dienstleute) des Hochstifts (Fürstentum) von Salzburg, die zu der Zeit die Reichenhaller Salzproduktion weitgehend in Händen hielt und reich geworden sind. Bekannt ist vor allem Heinrich Laubez, der Stifter der Kirche St. Aegid, die er 1159 neben seinem Grundstück im Thumer-Viertel (erzbischöfliches Domviertel) in Reichenhall errichten ließ. Es ist die Häuserzeile beim alten Markt, das Kaufleuteviertel. Dass
Laubez mit dem Bau der Kirche vorwiegend wirtschaftliche
Interessen verfolgt hat, ist nachzuvollziehen. Er mag fromm
gewesen sein, letztlich war er jedoch ein weitsichtiger
Geschäftsmann, der seinen wirtschaftlichen Vorteil im Blick
hatte. Die
Kirche baute er deshalb voll unterkellert, was im Kirchenbau sonst
nicht üblich ist. Diesen Keller erschloss er räumlich
mit seinem benachbarten Gebäude. Er hatte somit
unmittelbaren Zugang (Vergleichbar etwa mit Stockwerkseigentum).
Nach
diesem erworbenen Recht baute Laubez auf seinem Grund neben der
Kirche ein Gebäudekomplex mit Magazinen, Brauerei,
Gaststuben, Übernachtungsmöglichkeit für Händler
und Fuhrleute und Unterstellmöglichkeit für die Pferde
(die heutige Poststraße 20). Über die nächsten Jahrhunderte und unter wechselnden Eigentümern blieb die bauliche Struktur dieses Gebäudekomplexes erhalten bis in 1975, als es abgerissen wurde und bis 1980 neu aufgebaut. Nur der historische Kern, der St.Aegidi-Keller, wurde unter Denkmalschutz gestellt. BB
erwarb das alten Gemäuer und baute es nach seinen Plänen
aus. Unter nachfolgendem Link sehen Sie Fotos und Dokumente: |
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